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Die Wirksamkeit der Heilpädagogischen Früherziehun


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Die Wirksamkeit der Heilpädagogischen Früherziehun

F R Ü H E R Z I E H U N G 

Seit ungefähr drei Jahrzehnten ist die Wirksamkeit von heilpädagogischer Früherziehung bei entwicklungsauffälligen Kindern verstärkt Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. Der Nachweis für die Wirksamkeit früherer Hilfen konzentrierte sich lange Zeit ausschließlich auf die Entwicklungsfortschritte der Kinder, die am Ende der Früherziehungsmaßnahmen feststellbar waren. Heute wird der Erfolg der Fördermaßnahmen nicht mehr nur so monokausal vom Kind aus betrachtet. Verschiedene Untersuchungen weisen daraufhin, dass der Zeitpunkt des Beginns der Frühförderung bereits über den Erfolg Aufschluss geben kann. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst früh mit der Förderung des Kindes zu beginnen, sondern entscheidend ist auch, welche Entwicklungsschritte das zu fördernde Kind bereits vorher durchlaufen hat und vor allem mit welchem Erfolg. Sind alle "Auffälligkeiten" überhaupt erkannt worden und inwieweit haben sie sich bereits manifestiert und bedingen bzw. fördern sie sich sogar. Solche Fragen sind im Zusammenhang mit der Frühförderung zu stellen und auch zu beantworten. Deutlich ist aber bereits, dass dies eine gewissenhafte Arbeit erforderlich macht. Im Grunde genommen müsste für jedes Kind ein über Jahre geführtes Förderdossier angelegt werden. Als richtig wird an dieser Stelle angenommen, dass die angewandten Diagnoseverfahren und Erziehungsmaßnahmen allgemein anerkannt werden und sich nicht die Frage stellt, ob sie für jedes Kind gleichermaßen geeignet sind. Aus Sicht der Eltern Der Erfolg einer heilpädagogischen Früherziehung wird zu Recht daran gemessen, ob sich das Kind positiv entwickelt hat. Dieses Ergebnis wird auch nicht infrage gestellt. Neu ist allerdings, dass sich die Eltern nicht mehr als verhältnismäßig passiv quasi als Weisungsempfänger der Pädagogen erleben, sondern sie ihre Rolle als Beteiligte am Erziehungsprozess ihres Kindes eher aktiv und selbstbewusst ausführen sollen. Die Eltern sind wichtig im Erziehungsprozess.An ihre persönlichen, sozialen und familiären Eigenschaften wird angeknüpft. Die Eltern werden in den Erziehungsprozess einbezogen, und sie gestalten ihn sogar mit. Auf Grund ihrer unterschiedlichen Herkunft, Sozialisation, Bildung und Biografie fallen ihre Hilfsmöglichkeiten für das zu fördernde Kind jedoch unterschiedlich aus. Schon allein deshalb bleibt die Verantwortung für die erfolgreiche Frühförderung bei den professionellen Erziehern. Lanners und andere haben in Heft 4 der Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete im Jahre 2003 in ihrem Aufsatz über "Die Wirksamkeit der Heilpädagogischen Früherziehung aus Sicht der Eltern" über die Bedeutung der Familie berichtet. Zu diesem Zweck hatten sie Fragebögen an die betroffenen Eltern versandt. Der Rücklauf der Fragebögen brachte Antworten , die im Zusammenhang mit heilpädagogischer Früherziehung von Bedeutung sind. So sollte z.B. die Familie beschrieben werden, ihre Bedürfnisse benannt, Auskunft über die Zusammenarbeit mit Fachleuten erteilt und die Wirksamkeit der erhaltenen Hilfen beurteilt werden. Die Eltern hatten Bedürfnisse – nach Informationen über das Kind, seine Schwierigkeiten und über Förderung der Entwicklung des Kindes; – nach Informationen über existierende Maßnahmen: Betreuung des Kindes (Kinderkrippe, Babysitter) und finanzielle Leistungen (Krankenkasse, Invaliden- /Pflegeversicherung) – nach Hilfe, umdie Schwierigkeiten des Kindes anderen Personen zu erklären (Geschwistern, Großeltern, Freunden) – finanzieller Unterstützung: Anschaffung von Spielsachen, speziellen Hilfsmitteln und Materialien, zusätzliche alltägliche Ausgaben usw. – nach formeller Unterstützung (Fachleute, Spezialisten u.a.) – nach informeller Unterstützung (Partnerin, erweiterte Familie, Nachbarschaft, Elternvereinigung u.a.). Bei der partnerschaftlichen Zusammenarbeit insbesondere mit den Früherzieherinnen wünschten sich die Eltern – die Fähigkeit der Fachleute, den Eltern zuzuhören; – die Fähigkeit der Fachleute, einen gemeinsamen Entscheid zu treffen; – die Fähigkeit der Fachleute, den Eltern realsierbare (praktische) Ratschläge zu geben; – die Fähigkeit der Fachleute, den Bedürfnissen der Eltern entsprechende Hilfen anzubieten; – die Verfügbarkeit der Fachleute; – Respekt, Beachtung ihrer Vorschläge und die Förderung ihrer Aktivitäten.<R> Die Wirksamkeit der erhaltenen Hilfe macht sich bei den Eltern vor allem in folgenden Bereichen positiv bemerkbar: – Eltern-Kind-Beziehungen:Die Qualität der Interaktionen verbessert sich. Die Eltern nehmen ihr Kind bewusster wahr, sie achten stärker auf die Entwicklung, die Selbständigkeit und die Integration des Kindes. – Partnerschaft: Die elterlichen Aufgaben werden verteilt, Verantwortlichkeiten geregelt, gegenseitiges Einvernehmen und gegenseitige Unterstützung praktiziert. – Finanzielle Unterstützung: Da finanzielle Ressourcen erschlossen werden, wird das Familienbudget entlastet. – Geschwister: Die Wirksamkeit der angebotenen Hilfe fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Geschwister. Sie müssen sich mit der Behinderung eines Familienmitglieds auseinandersetzen. Dies erfordert eventuell auch eine Aufteilung der Aufgaben und Pflichten innerhalb der Familie. – Soziale Unterstützung: Das gesamte soziale Netzwerk wird von den betroffenen Eltern mit dem Gefühl erlebt: "Du bist nicht allein". Dieses Wissen ist sehr entlastend und auch beruhigend.< R> Lanners u.a. machen in ihrer Untersuchung besonders darauf aufmerksam, dass die Bedürfnisse der Eltern und die Zusammenarbeit der Eltern mit den Fachleuten wichtige und zu berücksichtigende Voraussetzungen bilden, um für die Eltern überhaupt wirksame Hilfen entwikkeln zu können. Nur wenn sich die Eltern mit diesen eigens für sie entwickelten Hilfen identifizieren, können diese für sie überhaupt wirksam und letztlich nützlich werden. Aus Sicht der Pädagogen Ein weiterer Baustein, um die Wirksamkeit heilpädagogischer Früherziehung zu verbessern, zielt auf die Arbeit der Pädagogen, Hierzu könnte man viel sagen und noch mehr forschen. An dieser Stelle verweise ich nur auf die Ausführungen, die hinsichtlich der Eltern gemacht wurden. Ähnliches könnte (müsste) man auch für die Pädagogen tun. Wo kommen sie her, warum wollen sie Erzieher werden, welcher Theorie fühlen sie sich verpflichtet, aber auch, wie leben sie, wie alt sind sie, wie verlief ihre Sozialisation, waren sie schon immer Erzieher oder haben sie auch schon einmal praktisch gearbeitet usw.? Wenn man solche und andere Fragen mixt, erhält man bestimmt Hinweise darauf, wie man die heilpädagogische Früherziehung weiter verbessern kann. Ebenso verhält es sich bei der Zusammenarbeit der Institutionen. Im Augenblick geht es aber um die Pädagogen, und hier müssen wir eindeutig betonen, sie müssen vorrangig die Wirksamkeit der heilpädagogischen Früherziehung aus der Sicht des Kindes betreiben und auch beurteilen. Es kann nicht primär die Aufgabe der Heilpädagogen sein, Eltern zu Heilerziehern weiter zu qualifizieren. Dennoch ist die Unterstützung der Eltern durch die Erzieher zum Wohle des Kindes durchaus angebracht, wie das Beispiel von Lanners u.a. zeigt: Nehmen wir an, dass das Kind die Nächte nicht durchschläft und die Eltern öfter aufstehen müssen, um es zu beruhigen. Für die Eltern ist diese Situation sehr belastend. Das Kind erhält jeden Montagmorgen zwei Stunden Früherziehung. Die Früherzieherin hat anhand der Resultate des Entwicklungstests entschieden, dass es wichtig ist, das Kind in seiner kognitiven Entwicklung zu fördern, was sie dann auch tut. Sie bittet die Mutter jedesmal, am Spiel teilzunehmen, und schlägt ihr vor, die verschiedenen Spiele während der Woche mit dem Kind zu wiederholen. Wir können uns vorstellen, dass die Eltern diese Bemühungen als wenig wirkungsvoll für die Entlastung der aktuellen Situation wahrnehmen und dass sich die Beziehung zwischen Eltern und Früherzieherin wenig positiv entwickelt! Die Eltern werden kaum motiviert sein, die Anleitungen der Früherzieherin umzusetzen und hinterfragen gegebenenfalls ihre fachliche Kompetenz. Die Früherzieherin wird die Eltern als wenig kooperativ wahrnehmen usw. Erst eine wirksame Hilfe zur Befriedigung der Bedürfnisse der Eltern liefert die Grundlage zum Aufbau einer tragfähigen Zusammenarbeit aller Beteiligten. Nehmen wir deshalb jetzt an, dass die Früherzieherin die Bedürfnisse der Eltern erfragt hat und versucht, auf diese einzugehen. Zusammen mit den Eltern versucht sie, eine Erklärung und eine Lösung für die Durchschlafschwierigkeiten des Kindes zu finden. Nach einer Phase, während der die Eltern ihr Kind und die Situation vor und nach dem Schlafengehen beobachtet haben, erarbeitet die Früherzieherin mit den Eltern verschiedene Lösungsansätze (z.B. aus der Verhaltenstherapie) und versucht, das Ganze im Rollenspiel mit den Eltern durchzuspielen. Die Eltern probieren abends die verschiedenen Möglichkeiten aus und merken bald, welche Maßnahme besonders erfolgreich ist. Sie nehmen sich in diesem Moment als kompetent wahr und fühlen sich darüber hinaus entlastet. Die Ratschläge der Früherzieherin waren wirkungsvoll. Die Eltern erleben zusätzlich die Beziehung zur Früherzieherin als sehr positiv, da sie ihnen geholfen hat. Die Eltern haben sich neue Kompetenzen angeeignet, von denen sie zu einemanderen Zeitpunkt profitieren können. Wenden sie diese Hilfen später einmal an, werden sie die vorher erhaltenen Ratschläge in dieser neuen Situation als nützlich wahrnehmen. Fazit Fassen wir das Gesagte im Überblick zusammen: Im Mittelpunkt der heilpädagogischen Früherziehung steht das Kind. Es tritt mit einemganzen Netzwerk von Hilfen in Interaktion, z.B. Heilerzieher, Eltern, Familienmitglieder, Nachbarn, Institutionen, Theorien, Umwelt etc. Je besser das Netzwerk aufeinander abgestimmt ist, umso größer kann die Wirksamkeit heilpädagogischer Früherziehung ausfallen. Doch bei allem Bemühen, gibt es auch hier quasi natürliche Grenzen. Richtig verstehen in einem hermeneutischen Sinn könnte nur der Heilerzieher das zu fördernde Kind, der selbst als Kind Entwicklungsauffälligkeiten hatte und diese erfolgreich reflektiert und bekämpft hat. Doch dies betrifft sicher die Wenigsten. Also bemühen wir uns, dass die Wirksamkeit in der heilpädagogischen Frühförderung verbessert wird - auch ohne vorerst perfekt zu sein.
Verfasser: Dr. Fritz Quenstedt, Lehrer für Sonderpädagogik



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