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Die Wirksamkeit der Heilpädagogischen Früherziehun


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Susanna (14) hat während ihrer ganzen Sonderschulzeit vor allem im Zahlenraum von 1-10 gerechnet, sie benützt dazu die Finger oder sonstige Hilfsmittel. Im Hinblick auf die berufliche Eingliederung wird auf der Oberstufe vermehrt der Umgang mit Geld thematisiert. Die Geldmünzen werden benannt, der Grösse nach geordnet, getauscht usw. Mit den Ein-, Zwei- und Fünfmark- Stücken kommt Susanna gut zurecht. Sobald sie aber Münzen mit kleinerem Wert oder Banknoten erhält, stösst sie an Grenzen. Dreissig, Fünfzig, Hundert scheinen leere Begriffe zu bleiben. Die Lehrperson ist ratlos und auch frustriert auch deshalb, weil sie im Sinn von lebenspraktischer Schulung mit der Klasse regelmässig einkaufen geht. Anhand des kurzen Fallbeispiels zeigt sich deutlich, welche Schwierigkeiten sich beim Mathematiklernen mit Schülerinnen und Schülern mit geistiger Behinderung häufig stellen: Arithmetische Kenntnisse und Anforderungen im lebenspraktischen Bereich klaffen weit auseinander (vgl. auch Moser Opitz 1999). Die Kinder werden im Alltag mit ganz anderen Zahlenräumen konfrontiert als im täglichen Mathematikunterricht. Nicht umsonst bezeichnet deshalb Speck (1999, 281) die Rolle der Kulturtechniken im Unterricht mit geistig behinderten Schülerinnen und Schülern als die “Gretchenfrage der Geistigbehindertenpädagogik”. Geht es um arithmetisches bzw. nummerisches Lernen, wird in Lehrplänen und vor allem in Lehrmitteln vorgeschlagen, nach ausführlichen pränummerischem Arbeiten (Objekte sortieren, ordnen usw.) den Zahlenraum ziffernweise von 1-6 bzw. 1-10 aufzubauen, dort Addition und Subtraktion zu festigen bevor es im Zwanzigerraum weiter geht. In der Praxis wird der Zahlenraums von 1-20 und vor allem der gesicherte Erwerb von Addition und Subtraktion häufig als Voraussetzung zum Arbeiten in grösseren Zahlenräumen betrachtet. Vielen Schülerinnen und Schülern mit geistiger Behinderung gelingt es jedoch auch nach jahrelangem Üben nur bedingt, die Operationen im Zahlenraum von 1-10 bzw. 1-20 zu erarbeiten, geschweige denn zu automatisieren. Die Kinder sind auf Hilfsmittel angewiesen und lösen die Aufgaben zählend. Abgesehen von Situationen beim Kochen oder Einkaufen werden sie oft erst in späteren Schuljahren mit Zahlen grösser als 20 konfrontiert. Zum Umgang mit Geld einer zentralen lebenspraktischen Fähigkeit sind jedoch Zehnerund Hunderterzahlen zentral. Pränummerisches Arbeiten reduzieren In vielen Forschungsarbeiten wurde in den letzten Jahren aufgezeigt, dass pränummerischem Arbeiten nicht die Bedeutung für arithmetisches Lernen zukommt, die ihr während langer Zeit zugeschrieben wurde. Heute wird davon ausgegangen, dass Zählen und der Umgang mit Zahlen und Anzahlen den wichtigeren Zugang zum Mathematiklernen bilden als pränummerisches Arbeiten (vgl. Moser Opitz 2000; Wember 1998). Den ganzen Zahlenraum anbieten und bald möglichst erweitern Neuere fachdidaktische Konzeptionen aus dem Regel- und Lernbehindertenbereich (z.B. Wittmann 1995; Scherer 1995) gehen davon aus, dass es wichtig ist, den Zahlenraum nicht ziffernweise aufzubauen, sondern gleich bis 10 bzw. 20 als Erfahrungsraum anzubieten. Es wird argumentiert, dass die Kinder die einzelnen Zahlen nur im Zusammenhang mit dem Ganzen verstehen könnten. Dieser Zugang ist m.E. in seiner grundsätzlichen Ausrichtung auch für den Unterricht mit Kindern mit geistiger Behinderung zu berücksichtigen. Da der Hunderterraum für den Umgang mit Geld eine wichtige Rolle spielt, sollen solche Zahlen schon sehr früh thematisiert werden auch wenn der Zwanziger noch nicht “sitzt” und eine vollständige Einsicht in den erweiterten Zahlenraum nie erreicht werden kann. Für den konkreten Unterricht bieten sich beispielhaft folgende Möglichkeiten (vgl. auch Wember 1998): Alltagserfahrungen der Kinder thematisieren – Zahlen in der Umwelt suchen, darüber diskutieren, diese vergleichen (Hausnummern, Geburtsdaten, Preise von Lieblingsspielsachen usw.). – Diskutieren über Zahlen: Welches ist die grösste Zahl, welches die kleinste Zahl, welches ist deine Lieblingszahl usw. Zählen – Vorwärts- und rückwärts zählen so weit es geht, dabei unterschiedliche Startzahlen wählen (zähle von drei an, zähle von 14 an). – Zählen in Zehner-, Hunderter- und Tausenderschritten. – Zählecke einrichten: Verschiedene Schachteln mit je unterschiedlicher Anzahl (3- ?) von schönen Gegenständen (Knöpfe, Steine usw.), Zahlenkarten. Gegenstände zählen, Zahlenkarten dazu legen. Mengenvergleiche vornehmen: Wovon hat es mehr? – Zählbücher herstellen: unlinierte Hefte, in welche die Kinder Bilder oder Fotos etc. mit Gegenständen, welche gezählt werden können, ein kleben. Operationen – Einfache Rechengeschichten erfinden und lösen. – Möglichst früh mit dem Addieren von Zehnern und Hundertern beginnen; Pfennigstücke, Zehn- und Hundermarkscheine addieren usw. Die “Gretchenfrage der Geistigbehindertenpäd gogik” lässt sich auch mit neuen didaktischen Konzepten nicht lösen, schon gar nicht angesichts der Heterogenität der Schülerschaft an Sonderschulen. Vielleicht können die hier erfolgten Hinweise jedoch Anstoss geben, mit einzelnen Kindern einmal einen anderen Lernweg einzuschlagen - so wie ich denke, dass ich es damals mit Susanna auch hätte tun sollen. Literatur Moser Opitz, E.: Zum Aufbau von Zahlbegriffen bei geistig behinderten Schülerinnen und Schülern. In: Bulletin Arbeitsgemeinschaft LehrerInnenfürGeistigbehinderte 82 (1999) 3, 7-14. Moser Opitz, E.: Zählen, Zahlbegriff, Rechnen.TheoretischeGrundlagenund eineempirische Untersuchung zumMathematik- Erstunterricht an Sonderklassen. Bern/Stuttgart/ Wien (2000) Speck,O.:MenschenmitgeistigerBehinderung. Ein heilpädagogisches Lehrbuch. München 91999 Scherer, P.: Aktiv-entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht der Schule für Lernbehinderte. Theoretische Grundlegungundevaluierteunterrichtspraktische Erprobung.Heidelberg 1995. Wember,F.:Zahlbegriffundelementares Rechnen. FernUniversitätHagen 1998. Wittmann, E.Ch.: Aktiv-entdeckendes und soziales Lernen im Rechenunterricht. In: Müller, G.N.; Wittmann, E.Ch.: Mit Kindern rechnen. Frankfurt/M 1995, 10-41. Dr. Elisabeth Moser Opitz Dipl. schulische Heilpädagogin Sonderpädagogisches Seminar des Kantons Bern Scheibenweg 45 CH- 3205 Biel



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